10 Tipps für bessere Texte

Mit diesen 10 Tipps überarbeiten und redigieren Sie Schritt für Schritt Ihre Texte. Systematisch wird aus Ihrem Rohtext ein spannender, aktivierender, leicht lesbarer Reintext.

1. Tipp: Markieren Sie zu lange Sätze!

Zu lange Sätze machen es den Leserinnen und Lesern schwer. Prüfen Sie sofort Ihre Satzlängen. Ist ein Satz zu lang, teilen Sie ihn auf. Die sogenannte «Obergrenze für gesprochene Texte» liegt bei 14 Wörtern. Bei geschriebenem Text sollten Sätze nicht länger als 14 bis 20 Wörter sein. Setzen Sie lieber früher Ihren Punkt und überlegen Sie, ob Sie Sätze aufteilen können. Vergessen Sie dabei nicht: Wenn ein sehr umfangreicher Text, beispielsweise Berichte über technische Anwendungen oder wissenschaftliche Abhandlungen, einige längere Sätze enthält, ist das in Ordnung. Die Satzmonster sollen im Text aber nicht die Mehrheit erlangen.

 

2. Tipp: Erlegen Sie Wortmonster!

Wortmonster sind Wörter mit fünf oder mehr Silben. Solch lange Worte überschreiten den Schärfebereich unseres Auges – ein Oval mit ca. 3 cm Durchmesser. Um solche Wortmonster zu entschlüsseln, braucht Ihr Leser Konzentration und Zeit. Denn das Auge muss beim Lesen mehrmals „ansetzen“. Überlegen Sie, ob Sie das Wortmonster mithilfe des Genitivs umschreiben können.

Beispiel: aus Billardtischoberfläche wird Oberfläche des Billardtisches. Oder Sie trennen das Wortmonster durch einen Bindestrich (Billardtisch-Oberfläche).

 

3. Tipp: Tschüss Fremdwörter und Fachbegriffe!

Werbetexte müssen mühelos im Gehirn Ihrer Leser landen. Auf die Fragen: „Erkenne ich Vorteile? Macht der Text neugierig? Entdecke ich Bekanntes? Muss ich etwas tun?“ heisst die Antwort häufig „Ja“. Da werden Ihre Leserinnen und Leser sofort aufmerksam! Bleiben Sie im Text also immer verständlich. Fremdwörter und Fachbegriffe stehen hier häufig im Weg und machen den Text unnötig schwierig. Suchen Sie, wenn immer möglich, nach Begriffen, die der Leser einfach versteht. Führen Sie wichtige Fachbegriffe behutsam ein und erklären Sie deren Bedeutung. Und vermeiden Sie fachspezifische Abkürzungen, die ausserhalb des Fachbereichs niemand entschlüsseln kann. Allerdings kann und darf in Texten zu spezifischen Fachthemen auf Fachbegriffe nicht verzichtet werden. Aber auch in diesem Fall ist weniger manchmal mehr!

 

4. Tipp: Persönlich bleiben!

Die Pronomen «Sie», «Ihnen» und «Ihr» sind Stellvertreter für den Namen des Lesers oder der Leserin. Diese Pronomen machen Ihren Text persönlicher und bringen das beschriebene Produkt oder die Dienstleistung näher zum Kunden. Stellen Sie im Text also gleich den Bezug zum Leser her und bleiben Sie nicht nur bildhaft: „Hier sehen Sie Ihr neues Auto“ ist viel stärker, näher als „Hier sehen Sie unser neues Auto“. In einem Mailing oder Werbebrief sollten zwei Drittel der Pronomen Sie, Ihr, Ihnen und ein Drittel ich, wir, unser sein. Überprüfen Sie künftig Ihre Texte: Wo lassen sich ich / wir / unser in Sie / Ihr / Ihnen verwandeln?

 

5. Tipp: Weg mit den Hilfsverben!

Müssen, können, möchten, dürfen, wollen, sollen oder würden sind Hilfsverben. Weil wird diese im Schweizerdeutsch praktisch ohne Unterbruch einsetzen, brauchen wir sie leider auch zu häufig in der Schriftsprache. Aber Hilfsverben verbannen den lebendigen Teil Ihres Satzes – das Verb – ans Satzende. Das macht einen Satz «langsam». Denn je weiter vorn im Satz ein Verb erscheint, desto schneller ist dieser Satz. Drücken Sie beim Schreiben klar aus, was Ihr Produkt kann. Was es leistet, und nicht, was es leisten könnte. Legen Sie die schweizerische Diskretion ab, streichen Sie Hilfsverben und bringen Sie im Satz die Verben wieder nach vorn! So wird aus «können wir Ihnen schicken» das konkretere und schnellere «schicken wir Ihnen».

 

6. Tipp: Gib dem Hauptwort-Stil keine Chance!

«Für die Zurverfügungstellung Ihrer Produktneuheit und das unterbreitete Kooperationsangebot…» Kennen Sie das? Ihr Gehirn sagt in solch einem Fall zurecht: Stopp! Wörter, die auf -ung, -heit, -keit, -ät, -ive, -ion, -ik oder -ismus enden, sind wie Verstecke. Denn sie verbergen wahrscheinlich ein abstraktes und bildleeres Substantiv. Für lebendigen und schnellen Text gilt: Meiden Sie den Hauptwort- oder Nominalstil. Verwenden Sie dafür Substantive, die konkrete Bilder abrufen. Schreiben Sie nicht einfach «Blume», sondern benennen Sie konkret «Rose» oder «Orchidee». Setzen sie gleichzeitig aktive Verben ein. Dann wird aus «es erfolgte keine Antwort von ihrer Seite» ein klar verständliches «Sie antwortete nicht».

 

7. Tipp: Positiv schreiben!

«Denken Sie jetzt auf keinen Fall an einen lila Elefanten! Nein! Sie dürfen sich alles vorstellen, nur keinen lila Elefanten! Erst recht nicht den, mit gelben Schuhen!».

Keine Chance, Sie können sich dem Bild des lila Elefanten nicht entziehen! Schuld daran ist unsere rechte Gehirnhälfte, welche nur Bilder kennt. Nicht-Bilder gibt es da nicht. Das passiert auch bei Text. Begriffe wie «keine Gefahr» oder «kein Risiko» generieren automatisch Bilder von Gefahr und Risiko im Kopf Ihres Lesers. Das wollen wir vermutlich nicht und darum müssen wir positiv texten. Suchen Sie nach negativen Begriffen in Ihren Texten und formulieren Sie diese positiv um. Aus «keine Gefahr» wird «absolut sicher». Aus «kein Problem» wird «einfach» und so weiter.

Elefantenmutter mit lila Elefantenbaby, Foto Matthias Horber, 9011 St. Gallen, Schweiz
Echt schwierig, nicht an einen lila Elefanten zu denken! Foto, Matthias Horber

8. Tipp: Raus mit Unwörtern, Floskeln und Worthülsen!

Unglaublich, wie sich abgedroschene Floskeln, Worthülsen oder negativ besetzte Wörter immer wieder in Texte einschleichen. Da sind bei «Marktführern» dann alle Produkte «praktisch», «nachhaltig» oder «innovativ». Aber Hand aufs Herz - was können Interessenten oder Kunden mit solchen Worthülsen anfangen? Überlegen Sie, wie Sie anstelle von Worthülsen oder Floskeln besser, konkreter formulieren. Damit bringen Sie frischen Wind in Ihre Texte und kommunizieren ehrlicher.

 

9. Tipp: Passiv-Konstruktionen kennzeichnen!

Das Passiv ist fester Bestandteil unserer Schweizer Mundartsprache. Darum schleicht es sich gerne auch in die Schriftsprache ein. Aber besonders in Werbetexten hat das Passiv nichts verloren! Denn es wirkt distanziert und macht Ihren Text unpersönlich. Aktiv formulierte Sätze wirken dagegen viel dynamischer und freundlicher. Im Werbetext wird nicht etwas getan, hier tut jemand etwas, es gibt „Action“. Ein Werbetext muss dem Kunden das Gefühl vermitteln, aktiv mit Ihnen im Gespräch zu stehen.

 

10. Tipp: Modewörter und Anglizismen nur in kleiner Dosis

Behalten Sie Ihre Zielgruppe stets klar vor Augen. Sind es Jugendliche oder Senioren? Fachpersonen oder die Vereinsmitglieder? Wie ist der Sprachgebrauch der Zielgruppe? Machen Sie sich bewusst, wie viele Trend- und Modewörter (zum Beispiel Anglizismen) Sie nutzen. Ein «Meeting» darf doch ganz einfach «Sitzung» oder «Besprechung» heissen. Verwenden Sie Trendwörter, Anglizismen und Modewörter nur wenn nötig und nur in kleinster Dosierung. Denn solche Wörter sind schnelllebigen Trends unterworfen und oft auch nicht klar definiert. Das führt schnell zu Missverständnissen. Überlegen Sie: Lässt sich das Wort durch einen verständlichen Begriff aus der deutschen Sprache ersetzen?

 

Extratipp: Das letzte Wort haben Sie!

Den einzig richtigen Weg zu texten gibt es nicht. Sonst klängen alle Texte gleich. Darum hat beim Redigieren nur einer das letzte Wort: Sie!  

Diese 10 Tipps sensibilisieren Sie aber für umständlichen Korrespondenzstil und andere Dinge, die Ihre Texte schwer lesbar machen könnten. Und wer dieses Handwerkszeug im Schlaf beherrscht, dem seien geniale Regelverstösse natürlich ausdrücklich erlaubt! Bis dahin heisst es erst einmal: üben, üben, üben…

 

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